Stundenverrechnungssatz im Handwerk richtig berechnen
Ein kostendeckender Stundensatz entsteht nicht aus dem Bruttolohn allein. Entscheidend sind Arbeitgeberkosten, produktive Stunden, Gemeinkosten und der gewünschte Gewinn.

Warum der Bruttolohn nicht reicht
Ein Mitarbeiter kostet den Betrieb mehr als seinen ausgezahlten oder vereinbarten Bruttolohn. Hinzu kommen Arbeitgeberanteile und weitere betriebliche Kosten. Noch wichtiger: Nicht jede bezahlte Stunde kann einem Kunden berechnet werden. Urlaub, Krankheit, Organisation, Schulung, Lager, Besprechungen und andere unproduktive Zeiten reduzieren die tatsächlich verrechenbaren Stunden.
Der Stundenverrechnungssatz muss deshalb die Kosten auf die produktive Zeit verteilen. Je geringer die Zahl produktiver Stunden, desto höher muss der Satz bei ansonsten gleichen Kosten sein.
Ein einfaches Rechenmodell
Zuerst werden die jährlichen direkten Personalkosten und die anteiligen Gemeinkosten betrachtet. Diese Summe wird auf die produktiven Stunden verteilt. Auf den so ermittelten Kostensatz kann anschließend ein gewünschter Gewinnaufschlag angewendet werden.
Beispiel: Fallen insgesamt 78.000 Euro relevante Jahreskosten an und stehen 1.350 produktive Stunden zur Verfügung, liegt der reine Kostensatz bei rund 57,78 Euro je Stunde. Ein zusätzlicher Gewinnaufschlag verändert daraus den Verkaufssatz. Das Beispiel ist keine Branchenvorgabe, sondern zeigt nur den Rechenweg.
Typische Fehler
Häufig wird mit zu vielen produktiven Stunden gerechnet oder es werden Gemeinkosten doppelt bzw. gar nicht berücksichtigt. Ebenfalls problematisch ist es, den Stundensatz eines Wettbewerbers zu übernehmen, obwohl die eigene Kostenstruktur anders aussieht.
Für die Nachkalkulation lohnt sich ein Vergleich zwischen geplantem und tatsächlich erzieltem Satz. So lassen sich Annahmen zu Auslastung, Gemeinkosten und Zeiten schrittweise verbessern.
Checkliste für die Praxis
- produktive Stunden realistisch statt optimistisch ansetzen
- Arbeitgeberkosten vollständig berücksichtigen
- Gemeinkosten nicht vergessen
- Gewinn nicht mit Kosten verwechseln
- regelmäßig mit Ist-Daten nachkalkulieren
Direkt weiterarbeiten
Nutze den Ratgeber, um die Annahmen zu verstehen, und trage anschließend deine eigenen Werte in das passende Werkzeug ein. Herstellerangaben, Verträge, Normen und individuelle Fachvorgaben haben Vorrang, wenn sie für dein Projekt gelten.
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